Aus der Geschichte des Heimatschutzvereins

Die erste urkundliche Erwähnung des Schützenvereins Hohenwepel fand im Jahre 1560 statt.

Einige ansässige Bauern bildeten zum Schutz ihrer Familien, ihrer Höfe, ihres Viehs und ihrer Felder eine Schützenkompanie, um sich gemeinsam gegen marodierende Banden, heimatlose Söldner und andere Feinde standhaft wehren zu können.

Diese Schützenkompanien aus jener Zeit waren wohl die Vorläufer der sich später bildenden Schützenbruderschaften auf den Dörfern mit schriftlich festgelegten Rechten und Pflichten.

In den folgenden Jahrhunderten war unser Heimatdorf des öfteren Kriegsgebiet. Die Bevölkerung hatte durchziehende Soldatenheere und auch Besatzer mit allen lebensnotwendigen Dingen zu versorgen. Um einen gewissen Schutz zu bieten, wurden in den Dörfern - wie zuvor schon in den Städten - sogenannte Schützenbruderschaften gebildet. Ihre Rechte und Pflichten wurden in Schützenbriefen verankert und bei Nichteinhaltung entsprechend geahndet.

Die ständige Einsatzbereitschaft wurde durch ein Übungsschießen gesichert. Der beste Schütze wurde zum "Schützenkönig" ernannt und ausgezeichnet. Hierbei fand in bescheidenem Rahmen auch ein Umtrunk statt, bei dem durch gesammelte Spenden Freibier gestellt werden konnte.

Der Schützenverein wurde aus unbescholtenen, jungen Männern gebildet, die das Dorf mit den umliegenden Höfen beschützten und innerhalb dieser Grenzen auch für Recht und Ordnung zu sorgen hatten.

Es existiert heute noch ein 273 Jahre altes Dokument, das einen wortwörtlichen Vergleich beinhaltet.

Dieser Vergleich wurde am 14. November 1737 zwischen "Der Gemeinheit Hohenwepel (Gemeinde) an einer den daßelbigen Schäferhern an anderer und der Schützenbruderschaft an dritterseits" geschlossen.

Der Vergleich diente zur Beilegung eines Streites.

Im Originaltext heißt es darin auszugsweise:
„… der auf denen vorberührter Gemeinheit Hohenwepel ... zustehenden Ländereien, der Ziegenrickenplatz genannt, welche vor dem Rapine und Mennerholze gelegen und ohngefehr in acht und zwanzig Morgen bestehen sollen, jährlich vorfallender Hude und Weide vor etlichen Jahren ein mißverständniß und Streitigkeit entstanden, mithin deshalber bey Hochfürstlich Paderbornfischer Cantzley bereits einige Jahre hindurch zwischen dießen beiden Parteyen ... Procesßus geführet und durch beiderseitig darüber gethanen vielfaltigen Schriftwechselungen ... "

Bei vorgenannter "Cantzley" handelt es sich um das Hofgericht in Paderborn. Der Vergleich beendete den Rechtsstreit, der schon mehrere Jahre andauerte. Es heißt in der Urkunde weiter:

"Viertens von dießen ... Platze die Schützencompagnie zu Hohenwepel mit Concens und bewilligung der Gemeinheit einige Morgen bereits etliche Jahre hindurch in profeßion gehabt ... so ist dießerhalb gleichfalls allerseits ... eingewilliget und verglichen worden, daß dieße Schützencompagnie von dem Platze ... sofort und ... 8, schreibe acht Morgen, abgemessen und abgeschnadet werden, mithin die Compagnie mit solchen abgeschnadeten acht Morgen zwey nacheinander folgende Jahre hindurch ... in annis 1739 und 1740 nach ihrem Willen und Wohlgefallen zu

schalten und zu walten berechtiget, nach verflossenen solchen zwey Jahren aber schuldig und gehalten ... dieselben in drey gleiche Theile, gleich wie als dann die Gemeinheit zu setzen und zu zertheilen und davon den einen Theil zu Winter, den anderen Theil zu Sommer zu benahmen, den dritten Theil aber zur ... gleichfalß ohne alle . . . Einsähe oder absondern gebrauch, mithin darauf denen Schäferherren gleich wie auf den Gemeinhefts ... Felde vorhin ... Hude und Weide mit ihrem Schafviehe daß ganze Jahr hindurch solange bey diesen dritten Theil zu weiter besahmet ... zum Genuß und Gebrauch zu belassen".

Die "Schützencompagnie" erhielt danach in dem Streit zwischen Gemeinde, dem Schützenverein und sogenannter 'Schäferherren" das Recht zugesprochen, rund 8 Morgen in bestimmter Weise zu nutzen.

Aus den Begriffen "vor dem Rapine", "Mennerholze" und "Ziegenrickenplatz" ergibt sich eindeutig, dass es sich um die Fläche handelte, die später als "Acker in der reinen Schware" in der Größe von 1,84,41 ha in das erste Grundbuch einging (Grundbuch von Hohenwepel, Band 2, Blatt 38 - Bürgerschützenverein zu Hohenwepel e.V. - am 15. März 1905). Die Eintragung erfolgte durch den Rechtspfleger beim Amtsgericht Warburg „auf Grund des nicht rechtsverjährten Eigenbesitzes". Grundlage dafür war die amtliche Bescheinigung des damaligen Gemeindevorstehers Buren und des Amtmannes des Amtes Warburg-Land vom 10. Oktober 1904 bzw. 19. Januar 1905.

Die noch heute vorliegenden Aufzeichnungen (Schützenbücher), die ab dem Jahr 1868 fast vollständig erhalten sind, weisen aus, dass die sogenannten "Schützenfeiern" von da an mehr oder weniger regelmäßig stattfanden.

Diese lieferte folgendes Resultat: (Originaleintrag)
Oberst Joh. David
Kapitän August Schaefers
Leutnant Joh. Brenke
Fähnrich Franz Nolte
Feldwebel Wilhelm Fischer
UntOffz I Joh. Fischer
UntOffz II Heinrich Brechtken
UntOffz III Ant. Schabrich
UntOffz IV Ant. Breker
Kassenrendant Joh. Buhren

Am 6. August 1871 wurde nach den von der Königlichen Regierung genehmigten Statuten zur Wahl geschritten.

Hierbei handelt es sich um den ersten schriftlich festgehaltenen Vorstand des Schützenvereins Hohenwepel. Derartige Wahlen wurden fortan regelmäßig abgehalten und beurkundet.

Die damaligen "Schützenfeiern" waren eine reine Männergesellschaft. Tanzabende im heutigen Sinne fanden nicht statt.

Der Schützenverein übernahm in diesen Zeiten viele übergeordnete Aufgaben. So wurden öffentliche Baumaßnahmen und kirchliche Angelegenheiten unterstützt.

Da der Verein schon Einnahmen durch Landverpachtung zu verzeichnen hatte, stiegen die Einnahmen und die Vereinskasse wies einen außerordentlich guten Bestand auf. So wurde im Jahr 1884 die erste Schützenfahne zum Preis von 230,40 Mark angeschafft.

Bereits Ende des 19. Jahrh. sorgte die damalige Schützengesellschaft für die musikalische Begleitung bei der Fronleichnams- und der Margarethenprozession.

Die Schützenfeste wurden bis dahin in einem Zelt gefeiert, bevor 1912 die Gemeindehalle gebaut wurde und das erste Schützenfest in der neuen Halle am 6. und 7. Juli 1913 stattfand.

Beim Königschießen schoss man bis zum Jahr 1939 mit einem Kleinkalibergewehr auf einen Holzvogel, der neben der Halle auf einer Holzstange befestigt wurde.

Da viele Hohenwepeler Männer in den folgenden zehn Jahren zum Kriegsdienst einberufen waren und die wirtschaftliche Situation Feste dieser Art nicht zuließen, wurden diese nicht gefeiert.

Nach dem zweiten Weltkrieg - aus dem auch viele Hohenwepeler Soldaten nicht heimkehrten - versammelten sich am 20. Februar 1949 ca. 100 Männer und gründeten unseren heutigen "Heimatschutzverein Hohenwepel e.V."

Ab dem jetzigen Zeitpunkt wurden wieder regelmäßig Schützenfeste gefeiert. Zwar noch nicht im heutigen Umfang, aber mit dem Vorsatz, dieses Traditionsfest weiterzuführen.

Die Jahreshauptversammlungen fanden bis 1973 regelmäßig am Rosenmontag in einem Hohenwepeler Gasthof statt, da dieser beheizt werden konnte. Die Gemeindehalle konnte noch nicht beheizt werden. Im jährlichen Wechsel fanden diese entweder in der Gaststätte Wittkopp oder in der Gaststätte Tönsfeuerborn statt.

Nach den Kriegsjahren war es den deutschen Männern seitens der alliierten Siegermächte nicht erlaubt, eine Schusswaffe zu besitzen, geschweige denn abzufeuern. Da dem jährlich stattfindenden Schützenfest jedoch das Königschießen vorausging, musste eine Lösung gefunden werden. Man beschloss, mit einer Armbrust auf eine Zielscheibe zu schießen. Diese wurde an einer alten Tür befestigt, neben der Gemeindehalle an die Wand gelehnt und die Schützen schossen ihren König mit besagter Armbrust aus.

Nachdem dieses Schusswaffenverbot aufgehoben worden war, beschloss man im Vereinsvorstand, das Königschießen wieder mit einem Gewehr auszurichten. Da mit einem Luftgewehr geschossen werden sollte, konnte der Schießstand nun in der Halle aufgebaut werden

Um die erforderliche Sicherheit zu gewährleisten, wurde in der Halle ein provisorischer Schießstand aus Tischen und Stühlen errichtet. Diese wurden teilweise mit Sackbändern zusammengehalten, bestanden aber die Abnahme als Schießstand durch die örtlich zuständigen Behörden.

Dieser Behelfsschießstand versah bis 1998 seine Dienste und wurde immer von der Polizeibehörde nach Vorlage der erforderlichen Versicherungspolicen als „sicher' eingestuft.

Als 1998 der Schießsportverein „Wilhelm Tell" gegründet wurde und dieser einen professionellen Schießstand in der Halle etablierte, wurde ab sofort auf diesem der neue König ausgeschossen.

Die Hohenwepeler Wirte gaben bis in die 60er Jahre hinein jährlich ihr Angebot für die Bewirtung in der Halle an den Schützenfesttagen ab. Im Wechsel hatten die Wirtsfamilien Tönsfeuerborn und Wittkopp die Schänke inne. Zwischendurch erhielt auch die Familie Fischer und der Gastwirt Wieners (einmalig) den Zuschlag.

Anfang der 70er Jahre wurde die Schänke auch einige Male an Wirte von Außerhalb vergeben, aber schnell entschied man sich im Vorstand, weiterhin den Hohenwepeler Wirten den Vorzug zu geben.

Als dann ab Mitte der 70er Jahre die Schützenfeste größer wurden, da der Zulauf aus den benachbarten Orten zunahm, waren die Hohenwepeler Wirte nicht mehr in der Lage, diesen Ansturm zu bewältigen. Jetzt fing man an, die Schänke an den meistbietenden Festwirt von Außerhalb zu vergeben.

In Hohenwepel bestand bis in die 90er Jahre hinein die Tradition, einen „Klotzkönig" auszuschießen. Dieser rekrutierte sich aus den Jungschützen, die lange Jahre nicht am offiziellen König-schießen teilnehmen durften, da sie altersbedingt keine Schusswaffe abfeuern durften. Also wurde an der Stange, an der der Vogel hing, nun ein Holzklotz hochgezogen. Wer diesen dann abschoss, war Klotzkönig.

Ursprünglich hatte dieser „Jux"' einen ernsten Hintergrund:

Wäre der offizielle Schützenkönig an den Schützenfesttagen verhindert, hätte dieser "Ersatzkönig" einspringen müssen.

Da dieser Fall aber niemals eingetreten ist, wurde dieses Unterfangen auf den Schützenfestmontag beim Frühschoppen verlegt. Man schoss den Klotzkönig vor der Halle an der "Schießbude" eines Schaustellers aus.

Dann wurde der Klotzkönig vor versammelter Mannschaft in der Halle proklamiert. Mit seinen Königsoffizieren wurde er feierlich gekrönt. Den Offizieren legte man die Schärpen um, der König wurde mit einer ausgedienten Uniformmütze gekrönt.

Da die Stellung als Vertreter des Schützenkönigs nun nicht mehr in Frage kam, wurde der Klotzkönig zur Beköstigung der verbliebenen Schützen - nachdem der Schützenkönig sowie die Jubelkönige nach Hause begleitet worden waren - verdonnert.

Meistens wurde nach dem Frühschoppen in einer Gaststätte dann ein Fass Bier aufgelegt.

Bei der Jahreshauptversammlung am 20. Februar 1960 beschloss man, das in diesem Jahr anstehende 400-jährige Bestehen des Heimatschutzvereins Hohenwepel entsprechend zu feiern.

Bei diesem Jubiläums-Schützenfest wurde die neue (unsere jetzige zweite) Fahne feierlich von Pastor Alois Schröter eingeweiht. Außerdem wurden drei neue, farblich passende Schärpen angeschafft.

Unter der Regentschaft von Josef und Cilli Göbel marschierte erstmals die Ehrenkompanie im Festzug mit.

Die Nachbarvereine aus Menne, Nörde, Dössel und Großeneder bereicherten den Festzug mit ihren jeweiligen Fahnenabordnungen und Offizieren.

Im Jahren 1956 ging die Halle in das Eigentum der Gemeinde Hohenwepel über. Der Schützenverein verkaufte diese für 2000,- DM.

In den 60-er und 70-er Jahren wurde die Halle dann grundlegend renoviert. Es wurde das Dach neu eingedeckt, die Holzdecke wurde eingezogen, der Tanzboden erneuert, eine bis dahin fehlende Heizungsanlage installiert, die Halle wurde durch einen Anbau vergrößert und es wurden neue Tische und Stühle angeschafft.

Die Materialkosten trug die Gemeinde Hohenwepel. Finanzielle Unterstützung gab es durch Spenden des Heimatschutzvereins und durch Haussammlungen in der Gemeinde.

Durch die Bereitschaft der Hohenwepeler Bürger konnten all diese Baumaßnahmen mehr oder weniger in Eigenleistung durchgeführt werden.

Der Schützenverein besaß bis Anfang der 70-er Jahre noch 1,83 ha eigenes Land. Durch einen Tauschhandel wurde dieses durch eine Flurbereinigung mit der Gemeinde Menne auf eine Fläche von 5,82 ha vergrößert.

Dieses Land ist auch heute noch im Besitz des Heimatschutzvereins.

In den 70-er Jahren setzte sich der Heimatschutzverein auch vehement für soziales Engagement ein. So ließ der Verein im Dorf Ruhebänke aufstellen, veranstaltete Altennachmittage, die jährliche Nikolausfeier für die Kinder des Dorfes und im jährlichen Wechsel ´ßmit dem Sportverein den Familientag im Sommer.

Viele Jahre wurde ein Herbstball mit einem sonntäglichen Frühschoppen veranstaltet.

Bis heute ist der Heimatschutzverein eine tragende Stütze im Gemeinschaftsbild unseres Dorfes.

Ob durch Beteiligungen bei den stattfindenden jährlichen Kirchenfesten, bei überörtlichen Jubiläen befreundeter Vereine oder durch Unterstützung bei unseren Dorffesten; der Schützenverein versucht, jedem Mitbürger gerecht zu werden.

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Fahne zum 400 Jahre Jubiläum
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Aktualisiert:

08. August 2018

© 2018 Daniel Henke

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